PCB-haltige Fugenmassen erkennen: Risiken, Sanierung und Rückbau

PCB-haltige Fugenmassen gehören zu den typischen Gebäudeschadstoffen älterer Büro-, Schul-, Verwaltungs- und Gewerbegebäude. Besonders bei Gebäuden aus den 1950er bis 1970er Jahren können elastische Fugen zwischen Betonbauteilen, Fassadenelementen, Fenstern oder anderen Bauteilen mit PCB belastet sein.

Problematisch ist dabei nicht nur die eigentliche Fugenmasse: PCB kann über lange Zeit aus dem Material austreten und angrenzende Baustoffe sowie die Innenraumluft belasten.

Wer eine Entkernung, Sanierung oder einen Rückbau plant, sollte PCB-haltige Baustoffe deshalb frühzeitig erkennen und in die Schadstoffplanung einbeziehen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist PCB?
  2. Warum wurde PCB in Gebäuden eingesetzt?
  3. Wo findet man PCB in Gebäuden?
  4. Warum sind besonders Fugenmassen relevant?
  5. Wie erkennt man PCB-haltige Fugen?
  6. Primär- und Sekundärquellen: Warum PCB wandern kann
  7. Welche Risiken bestehen durch PCB?
  8. PCB bei Entkernung und Rückbau
  9. Wie werden PCB-haltige Fugen saniert?
  10. Welche Vorschriften gelten bei der PCB-Sanierung?
  11. PCB-Sanierung in Stuttgart und Umgebung
  12. Häufige Fragen zu PCB
  13. Fazit

Was ist PCB?

PCB ist die Abkürzung für polychlorierte Biphenyle. Dabei handelt es sich um eine Gruppe industriell hergestellter chlorierter organischer Verbindungen.

PCB besitzt verschiedene technische Eigenschaften, aufgrund derer die Stoffe jahrzehntelang unter anderem als Weichmacher, Isoliermittel und Bestandteil unterschiedlicher Bauprodukte eingesetzt wurden.

Heute weiß man, dass PCB gesundheitsschädlich und sehr langlebig ist.

Besonders relevant für die Schadstoffsanierung sind sogenannte offene Anwendungen, aus denen PCB in die Umgebung gelangen kann.

Warum wurde PCB in Gebäuden eingesetzt?

PCB wurde insbesondere aufgrund seiner technischen Eigenschaften unterschiedlichen Produkten zugesetzt.

Im Gebäudebereich wurde PCB unter anderem eingesetzt in:

  • dauerelastischen Fugendichtungsmassen
  • Anstrichen und Beschichtungen
  • Klebstoffen
  • bestimmten Deckenplatten
  • Kunststoffen
  • Kabelummantelungen

Eine der bekanntesten Anwendungen sind dauerelastische Fugenmassen auf Polysulfidbasis.

Diese werden häufig auch als Thiokol-Fugen bezeichnet.

Wichtig: Die Bezeichnung „Thiokol“ allein bedeutet nicht automatisch, dass eine Fuge PCB enthält. Sicherheit schafft letztlich eine Materialuntersuchung.

Wo findet man PCB in Gebäuden?

PCB-haltige Baustoffe finden sich besonders häufig in größeren Gebäuden der Nachkriegszeit.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Schulen
  • Bürogebäude
  • Verwaltungsgebäude
  • Krankenhäuser
  • Hochschulen
  • Industriegebäude
  • größere Wohnanlagen

Typische Fundstellen sind:

Gebäudetrennfugen

Elastische Fugen zwischen unterschiedlichen Gebäudeteilen können PCB-haltige Dichtungsmassen enthalten.

Betonfertigteile und Fassaden

Besonders relevant sind Bewegungsfugen zwischen Betonfertigteilen oder Fassadenelementen.

Fenster und Türen

Auch Anschlussfugen zwischen Fenstern, Türzargen und angrenzenden Bauteilen können betroffen sein.

Beschichtungen und Anstriche

PCB wurde nicht ausschließlich in Fugen eingesetzt. Auch bestimmte ältere Beschichtungen und Anstrichsysteme können belastet sein.

PCB-haltige Fugenmassen: Warum sind sie besonders relevant?

Fugendichtungsmassen zählen zu den bekanntesten PCB-Anwendungen im Gebäudebestand.

Insbesondere bei Gebäuden aus den 1950er bis 1970er Jahren sollte bei entsprechenden Fugenmaterialien genauer hingesehen werden.

PCB wurde den elastischen Dichtungsmassen als Weichmacher zugesetzt.

Dadurch blieben die Fugen über lange Zeit elastisch und konnten Bewegungen zwischen Bauteilen aufnehmen.

Heute besteht genau darin das Problem:

PCB ist nicht dauerhaft fest in der Fugenmasse gebunden.

Der Stoff kann über viele Jahre aus dem Material austreten und sich in der Umgebung verteilen.

Wie erkennt man PCB-haltige Fugen?

Eine PCB-haltige Fugenmasse lässt sich nicht zuverlässig anhand ihrer Farbe oder ihres Aussehens erkennen.

Hinweise können sein:

  • entsprechendes Gebäudealter
  • elastische Fugen zwischen Betonfertigteilen
  • Fassadenfugen
  • Gebäudetrennfugen
  • Fensteranschlussfugen
  • ältere Polysulfid-Fugenmassen

Gewissheit schafft eine fachgerechte Probenahme mit anschließender Laboranalyse.

Gerade vor größeren Entkernungs- und Rückbaumaßnahmen sollte deshalb nicht ausschließlich nach optischen Merkmalen entschieden werden.

Primär- und Sekundärquellen: Warum PCB besonders anspruchsvoll sein kann

Ein wichtiger Unterschied zu vielen anderen Gebäudeschadstoffen ist die mögliche Migration von PCB.

Die ursprünglich PCB-haltige Fugenmasse wird als Primärquelle bezeichnet.

Über Jahre kann PCB aus dieser Primärquelle austreten und von angrenzenden Materialien aufgenommen werden.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Beton
  • Putz
  • Mauerwerk
  • Farben und Beschichtungen
  • Staub
  • andere Oberflächen im Raum

Diese Materialien können anschließend selbst PCB wieder an die Umgebung abgeben.

Man spricht dann von Sekundärquellen.

Deshalb kann eine PCB-Sanierung deutlich komplexer sein als das bloße Herausschneiden einer alten Fuge.

Welche Risiken bestehen durch PCB?

PCB können insbesondere aus offenen Anwendungen über lange Zeit in die Innenraumluft gelangen.

Bei bekannten PCB-Belastungen werden deshalb nicht nur Materialproben, sondern abhängig von der Situation auch Raumluftuntersuchungen durchgeführt.

Für PCB in Gebäuden existieren entsprechende Richtlinien zur Bewertung der Innenraumluft und zur Sanierung belasteter Gebäude.

Die Bewertung sollte durch einen qualifizierten Schadstoffgutachter beziehungsweise ein geeignetes Fachlabor erfolgen.

PCB bei Entkernung und Rückbau

Besonders relevant wird PCB, wenn ein Gebäude:

  • entkernt
  • umgebaut
  • modernisiert
  • saniert
  • teilweise zurückgebaut
  • vollständig abgebrochen

werden soll.

Bei einer normalen Gebäudenutzung können PCB-haltige Materialien über Jahrzehnte weitgehend unberührt bleiben.

Beim Rückbau werden diese Materialien jedoch mechanisch bearbeitet.

Fugen werden beispielsweise:

  • herausgeschnitten
  • abgeschabt
  • gefräst
  • von angrenzenden Bauteilen getrennt

Dabei können PCB-haltige Stäube und Materialreste entstehen.

Aus diesem Grund muss eine bekannte PCB-Belastung bereits bei der Planung des Rückbaus berücksichtigt werden.

Wie werden PCB-haltige Fugen saniert?

Die konkrete Sanierung hängt vom Gebäude, der PCB-Belastung und dem Sanierungskonzept ab.

Ein typischer Ablauf kann folgendermaßen aussehen:

1. Schadstofferkundung

Verdächtige Fugen und Baustoffe werden untersucht und analysiert.

2. Bewertung der Belastung

Auf Grundlage der Laborergebnisse wird bewertet, welche Bereiche betroffen sind und ob weitere Untersuchungen erforderlich sind.

3. Festlegung des Sanierungsbereichs

Arbeitsbereiche werden gegenüber nicht betroffenen beziehungsweise weiter genutzten Bereichen abgegrenzt.

4. Ausbau der Primärquelle

PCB-haltige Fugenmassen werden unter geeigneten Schutzmaßnahmen fachgerecht entfernt.

5. Bewertung angrenzender Baustoffe

Je nach Belastung müssen auch PCB-belastete Sekundärquellen berücksichtigt werden.

6. Reinigung und Entsorgung

PCB-haltige Abfälle werden getrennt erfasst, entsprechend verpackt und einem geeigneten Entsorgungsweg zugeführt.

7. Erfolgskontrolle

Abhängig vom Sanierungskonzept können abschließende Kontrollen oder Raumluftmessungen erforderlich sein.

Welche Vorschriften gelten bei der PCB-Sanierung?

Bei PCB besteht ein wichtiger Unterschied zur Asbestsanierung:

Für Asbestarbeiten ist insbesondere die TRGS 519 maßgeblich.

Bei Arbeiten mit PCB-haltigen Bauprodukten ist dagegen insbesondere die TRGS 524 „Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen“ relevant.

Hierzu zählen beispielsweise Abbruch-, Sanierungs-, Instandhaltungs- und Umbauarbeiten an PCB-haltigen:

  • Fugenmassen
  • Beschichtungen
  • Anstrichen
  • weiteren kontaminierten Bauteilen

Zusätzlich sind die Gefahrstoffverordnung sowie die einschlägigen PCB-Richtlinien und abfallrechtlichen Vorgaben zu berücksichtigen.

Welche Schutzmaßnahmen konkret erforderlich sind, muss projektbezogen anhand der Gefährdungsbeurteilung und des Sanierungskonzepts festgelegt werden.

PCB-Sanierung in Stuttgart und Umgebung

Auch in Stuttgart und der Region gibt es einen großen Gebäudebestand aus den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren.

Gerade bei der Entkernung älterer:

  • Schulen
  • Verwaltungsgebäude
  • Bürokomplexe
  • Industriegebäude
  • Hochschulgebäude
  • Betonfertigteilbauten

können PCB-haltige Fugenmassen und Beschichtungen relevant werden.

Für Bauherren, Architekten und Projektleiter empfiehlt es sich deshalb, mögliche Gebäudeschadstoffe vor Ausschreibung und Beginn der Rückbauarbeiten untersuchen zu lassen.

Das schafft Klarheit über den tatsächlichen Sanierungsumfang und reduziert das Risiko von Baustopps, Nachträgen und ungeplanten Entsorgungskosten.

Weitere Informationen zu unseren Leistungen bei Asbest, KMF, PCB und PAK in Stuttgart & Region finden Sie auf unserer Seite zur Schadstoffsanierung.

Häufige Fragen zu PCB

Was bedeutet PCB?

PCB steht für polychlorierte Biphenyle. Die Stoffgruppe wurde früher in zahlreichen technischen Produkten und Baustoffen eingesetzt.

Wo kann PCB im Gebäude enthalten sein?

Typische Fundstellen sind dauerelastische Fugenmassen, Anstriche, Beschichtungen, Klebstoffe, Kunststoffe und bestimmte Deckenplatten.

Sind alte Fugen automatisch PCB-haltig?

Nein. Alter und Aussehen einer Fuge reichen für eine sichere Beurteilung nicht aus. Eine Laboranalyse schafft Gewissheit.

In welchen Baujahren sind PCB-Fugen besonders relevant?

Besonders relevant sind Gebäude aus den 1950er bis 1970er Jahren, in denen dauerelastische Fugenmassen eingesetzt wurden.

Ist PCB dasselbe wie Asbest?

Nein. PCB und Asbest sind vollkommen unterschiedliche Gefahrstoffe. Für deren Sanierung gelten entsprechend unterschiedliche Anforderungen und technische Regeln.

Welche TRGS gilt für PCB?

Bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten an PCB-haltigen Bauprodukten ist insbesondere die TRGS 524 für Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen relevant.

Kann PCB aus einer Fuge in andere Baustoffe gelangen?

Ja. PCB kann aus einer Primärquelle austreten und von angrenzenden Materialien aufgenommen werden. Diese können anschließend als sogenannte Sekundärquellen wirken.

Muss eine PCB-haltige Fuge immer entfernt werden?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind unter anderem Materialbelastung, Nutzungssituation, Innenraumluftbelastung und geplante Baumaßnahmen. Die Bewertung sollte objektbezogen erfolgen.

Fazit: PCB-Fugen vor Entkernung und Rückbau frühzeitig untersuchen

PCB-haltige Fugenmassen gehören zu den klassischen Gebäudeschadstoffen der Nachkriegszeit.

Besonders bei Schulen, Büro- und Verwaltungsgebäuden sowie Betonfertigteilbauten der 1950er bis 1970er Jahre sollten verdächtige Fugen vor einer Entkernung oder einem Rückbau untersucht werden.

Die Besonderheit von PCB liegt darin, dass nicht ausschließlich das ursprüngliche Produkt relevant sein kann. Durch jahrelange Migration können auch angrenzende Baustoffe zu Sekundärquellen werden.

Eine frühzeitige Schadstofferkundung und fachgerechte Sanierungsplanung schafft deshalb Sicherheit bei Kosten, Bauzeit, Arbeitsschutz und Entsorgung.

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