
Eine Strangsanierung gehört zu den wichtigsten Sanierungsmaßnahmen in älteren Mehrfamilienhäusern. Dabei werden Wasser-, Abwasser- und Lüftungsleitungen erneuert. Was viele Eigentümer, Hausverwaltungen und Wohnungseigentümergemeinschaften unterschätzen: Gerade bei Gebäuden der Baujahre 1950 bis 1993 werden im Zuge einer Strangsanierung häufig asbesthaltige Baustoffe entdeckt.
Werden diese Schadstoffe erst während der Bauarbeiten festgestellt, drohen Baustopps, Nachträge und erhebliche Terminverzögerungen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie eine Strangsanierung abläuft, welche Rolle Asbest spielt, welche Kosten entstehen können und worauf bei einer Strangsanierung im bewohnten Zustand besonders zu achten ist.
Bei einer Strangsanierung werden die vertikal verlaufenden Versorgungsleitungen eines Gebäudes erneuert.
Hierzu gehören insbesondere:
Da sich diese Leitungen meist hinter Wänden, Schächten oder in Installationskanälen befinden, müssen Bäder, Küchen und Versorgungsschächte geöffnet werden. Genau hierbei kommen häufig schadstoffhaltige Baustoffe zum Vorschein.
Besonders betroffen sind Mehrfamilienhäuser aus den 1950er-, 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahren.
Asbest wurde bis Anfang der 1990er-Jahre in zahlreichen Baustoffen eingesetzt. Viele dieser Materialien befinden sich noch heute in Bestandsgebäuden.
Während die Leitungen selbst häufig problemlos zugänglich erscheinen, befinden sich die eigentlichen Schadstoffe oftmals in den umgebenden Bauteilen.
In der Praxis werden bei Strangsanierungen regelmäßig folgende Schadstoffe gefunden:
Insbesondere in Badezimmern und Küchen ist asbesthaltiger Fliesenkleber einer der häufigsten Schadstofffunde.
Da dieser meist vollständig unter den Fliesen verborgen liegt, wird er häufig erst beim Rückbau entdeckt.
Viele Wand- und Deckenflächen älterer Gebäude enthalten asbesthaltige Spachtelmassen.
Bereits geringe mechanische Bearbeitungen können zur Freisetzung von Asbestfasern führen.
Ein weiterer Klassiker sind Asbestzementrohre bzw. Faserzementrohre.
Diese wurden häufig eingesetzt als:
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel über Asbestzementrohre und Faserzementrohre.
Neben Asbest finden sich in Versorgungsschächten häufig ältere Dämmstoffe, die unter die TRGS 521 fallen.
Diese Materialien müssen ebenfalls fachgerecht zurückgebaut und entsorgt werden.
Die häufigsten Fundorte sind:
Je nach Baujahr und Sanierungshistorie können weitere Schadstoffe hinzukommen.
Viele Eigentümer stellen sich die Frage:
Die Antwort lautet grundsätzlich: Ja.
Allerdings erfordert dies eine sorgfältige Planung und professionelle Ausführung.
Besonders wichtig sind:
Gerade bei vorhandenen Schadstoffen darf die Sanierung nicht mit einer gewöhnlichen Badsanierung verwechselt werden.
Werden Asbest oder KMF festgestellt, sind zusätzliche Schutzmaßnahmen erforderlich.
Ziel ist es, die Belastung für Bewohner so gering wie möglich zu halten und gleichzeitig einen sicheren Arbeitsablauf zu gewährleisten.
Vor Beginn der Arbeiten sollten die relevanten Bauteile untersucht werden.
Hierzu zählen insbesondere:
Eine frühzeitige Untersuchung schafft Planungssicherheit und verhindert spätere Überraschungen.
Auf Basis der Untersuchungsergebnisse wird ein Rückbau- und Sanierungskonzept erstellt.
Dabei werden Arbeitsverfahren, Schutzmaßnahmen und Bauabschnitte definiert.
Vor den Sanitärarbeiten erfolgt der fachgerechte Ausbau der belasteten Materialien.
Hierzu gehören beispielsweise:
Nach Abschluss der Schadstoffarbeiten erfolgt die Reinigung der Arbeitsbereiche.
Je nach Maßnahme können zusätzliche Freigabe- oder Kontrollmaßnahmen erforderlich sein.
Erst nach Abschluss der Schadstoffsanierung beginnen die eigentlichen Sanitärarbeiten.
Die neuen Leitungen werden eingebaut und angeschlossen.
Anschließend erfolgen:
Bis die Wohnungen wieder vollständig nutzbar sind.
Die Kosten einer Strangsanierung hängen von zahlreichen Faktoren ab.
Dazu zählen:
Als grobe Orientierung bewegen sich die Kosten häufig in folgenden Bereichen:
MaßnahmeTypischer KostenbereichStrangsanierung Eigentumswohnungca. 8.000 – 20.000 €Strangsanierung Mehrfamilienhausindividuell nach UmfangSchadstoffgutachteneinige hundert bis wenige tausend EuroSchadstoffsanierungabhängig von Art und Umfang
Wichtig:
Eine seriöse Kostenschätzung ist nur nach Besichtigung und Bewertung der vorhandenen Bausubstanz möglich.
In Stuttgart, Esslingen, Ludwigsburg, Böblingen und der gesamten Region treffen wir bei Strangsanierungen regelmäßig auf Schadstoffe aus den Baujahren 1950 bis 1990.
Besonders häufig finden sich:
Gerade bei größeren Wohnanlagen und Mehrfamilienhäusern empfiehlt sich daher eine frühzeitige Schadstoffuntersuchung vor Beginn der Planung.
Dadurch können Risiken minimiert, Bauzeiten besser kalkuliert und kostspielige Nachträge vermieden werden.
Nein. Allerdings sollten Gebäude mit Baujahr vor 1993 grundsätzlich auf Schadstoffe untersucht werden.
Gesetzlich besteht für Eigentümer eine Mitwirkungspflicht bei der Ermittlung möglicher Schadstoffe. Eine Untersuchung vor Beginn der Arbeiten ist daher dringend zu empfehlen.
In vielen Fällen ja. Dies hängt jedoch vom Umfang der Arbeiten und den vorhandenen Schadstoffen ab.
Je nach Gebäudegröße wenige Tage bis mehrere Monate.
Arbeiten an asbesthaltigen Baustoffen dürfen ausschließlich von entsprechend qualifizierten Fachunternehmen durchgeführt werden.
Die größte Herausforderung einer Strangsanierung sind häufig nicht die neuen Leitungen, sondern die vorhandenen Baustoffe im Bestand.
Asbesthaltige Fliesenkleber, Spachtelmassen, Asbestzementrohre und KMF-Dämmstoffe werden bei Sanierungen regelmäßig entdeckt.
Wer diese Risiken bereits in der Planungsphase berücksichtigt, vermeidet Baustopps, Terminverzögerungen und unnötige Mehrkosten.
Insbesondere bei einer Strangsanierung im bewohnten Zustand ist eine frühzeitige Schadstoffuntersuchung ein entscheidender Erfolgsfaktor.